Im Brief an die Hebräer geht es um den Grund und Boden des Evangeliums von der Vergebung der Sünden. Dies wird den gläubigen Juden deutlich vor Augen gestellt. Angesprochen sind hier in erster Linie solche Menschen, die aus der Tradition des jüdischen Glaubens und dem alttestamentlichen Gesetz kommen. Also keine gläubigen Heiden. Dies zu unterscheiden ist wichtig, da man sonst mit manchen Aussagen in diesem Brief seine Schwierigkeiten bekommen wird. Diese Gläubigen sollen zur vollen Glaubensreife in Christus kommen. Also nicht zwischen Gesetz und Gnade, altem und neuem Bund hin- und herschwanken und nie zur Ruhe kommen, sondern wissen, auf welchem heilsamen Grund sie stehen dürfen und auch müssen. Die Praxis um zu einer gottgefälligen Veränderung im Glaubensleben zu kommen, ist die Beschäftigung mit Jesus Christus. In 2. Korinther 3,18 schreibt der Apostel Paulus entsprechend: ''Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht''. Es geht im Leben der Nachfolge für einen Christen nicht darum, bestimmte Regelwerke zu befolgen, sondern in der Kraft des Heiligen Geistes in Jesus Christus eine Beziehung zu Gott auszuleben, die einem im Evangelium geschenkt wurde. Das ist auch weitaus besser und gläubwürdiger, als sich in aller Strenge und durch Werke und Opfer sich seinen Platz im Himmel und im Herzen Gottes verdienen zu wollen.
In dieser Situation standen die Empfänger des Hebräerbriefes. Und wenn sie in der Weise sich gegen Jesus und das Evangelium stellten, und eine Rolle rückwärts vollbracht hätten, gäbe es definitiv keine Möglichkeit mehr für sie errettet zu werden. Wer die beste und einzige Möglichkeit der Erlösung ausschlägt, dem bleibt im wahrsten Sinne des Wortes nichts mehr übrig, worauf er hoffen könnte. Das war die Situation. Es ging also gar nicht darum, ob sie an Gott glaubten oder nicht (das taten sie), sondern ob sie in der Frage nach der Erlösung sich lieber auf das alttestamentliche aaronitische Priestertum verlassen wollten, oder auf das neue Priestertum in Jesus Christus, der unser mitleidiger Hohepriester wurde. In Hebräer 2, 17-18 steht über Jesus Christus: ''Daher musste er in allem den Brüdern gleich werden, damit er barmherzig und ein treuer Hoherpriester vor Gott werde, um die Sünden des Volkes zu sühnen; denn worin er selbst gelitten hat, als er versucht worden ist, kann er denen helfen, die versucht werden''. Das alles hat auch mit einer gewissen Reife im Glauben zu tun, denn in dem Sinne bedeutet dies nichts anderes, als die innere Gewissheit und Sicherheit, in der Person des Sohnes Gottes seinen ewigen Frieden mit Gott gefunden zu haben. Und auch heute ist die Situation ja nicht selten so, daß viele nicht gegen Gott eingestellt sind, aber in Jesus Christus weder Gottes Sohn, noch in seinem Opfertod auf Golgatha den Grund und Boden der Erlösung sehen wollen. Aber es ist der einzige Weg (Johannes 14,6).