Was sein wird, und was wir sein werden, wissen wir noch nicht, aber es wird offenbart – das liegt für uns noch in der Zukunft (1. Johannes 3,2). Bei Hiob hat Gott das auch gesehen – nur der Teufel nicht. Vielleicht fragen wir uns, wie Hiob das alles ertragen konnte, was mit ihm geschehen war? Und wie er dennoch den Glauben an Gott nicht aufgegeben hat? Er hatte ganz sicher auch so einige Widersprüche in seinem Herzen und hat sich entsprechend auch vor Gott und seinen Freunden Luft verschafft und wortreich seinem Kummer Ausdruck verliehen. Wer könnte das nicht verstehen und nachvollziehen. Gott hat ihm das nicht untersagt. Gott hat ihn gehalten – wie anders hätte er sonst standhalten können? Nicht nur wegen dem Verlust seiner Familie, seiner Tiere und seines ganzen Besitzes, sondern auch wegen seiner Freunde die ihm zusetzten und seiner Frau, die ihn irgendwann dann auch nicht mehr verstand. Gott hat ihn beschützt und seinen Glauben bewahrt – zudem ja auch der Teufel genau das erhoffte, daß Hiob seinem Gott den Rücken zukehrt. Das ist nicht passiert. Was Hiobs Freunde anfänglich taten, nämlich weinen, Kleider zerreissen, Sand auf das Haupt streuen und schweigend einfach dem Hiob längere Zeit nahe zu sein, war das Beste an ihrem Besuch (Hiob 2, 11-13). Was reizte sie zu reden? Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit? Unsicherheit und Hirngespinste? Vielleicht die Möglichkeit, ihr frommes Wissen endlich mal an den Mann zu bringen? Wer Leid trägt (was man ''trägt'' wiegt manchmal schwer) der soll getröstet werden. Jesus sagte dies in der Bergpredigt (Matthäus 5,4). Die Frage ist also auch: Wie kann man trösten? Hiobs Freunde sind ein schlechtes Beispiel. Nicht weil sie grundsätzlich und allgemein Falsches gesagt haben, sondern weil es der Situation Hiobs absolut nicht gerecht wurde. Es war deplaziert. Gut gemeint, schlecht gemacht! Zur falschen Zeit am falschen Ort oder zur rechten Zeit das Falsche gesagt oder das Falsche zur rechten Zeit. Oder eben auch überhaupt etwas gesagt. Hiobs Freunde stellten merkwürdige Fragen in den Raum, unterstellten ihm verborgene Sünden und vergrößerten so seinen Schmerz und Frust. Manchmal leiden wir darunter, daß Gott nicht vorhersehbar mit uns umgeht. Das liegt zwar auf der Hand, aber wir kommen damit nicht immer klar. Die Frau Hiobs war mit der Situation überfordert und emotional brach es dann auch aus ihr heraus: ''Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb!'' (Hiob 2,9). Auch sie war eine leidige (recht radikale) Trösterin.
Das Buch Hiob zeigt auch, wie sehr wir von Gott abhängig sind und wie schnell sich immer alles verändern kann - zum Guten und zum Schlechten. Hiob hatte Geduld - er setzte das um, was Paulus dem jungen Timotheus lange Zeit später ans Herz legte: Leide willig (2. Timotheus 4,5)! Hiob wurde von Gott prüfend gesegnet. Und der Teufel durfte auch mitspielen. Gottes anschließende Belehrungen hatte Hiob mit großer Demut gehört, aufgenommen und verstanden. Jakobus lobte ausdrücklich Hiobs Geduld in seinem Brief, und verwies darauf, daß wir auf das Ende von ihm schauen sollen (Jakobus 5,11). Ich glaube keiner außer Jesus Christus selbst, hat zu irdischen Lebzeiten so viel Leid und Kummer gehabt wie Hiob. Zumindest nicht in so geballter Wucht und Heftigkeit. Hiob verzagte nicht, weil ihm Gott am Ende wichtiger wurde als aller Besitz und sogar die eigene Familie (Matthäus 10,37). Als Gott dies bei Hiob erkannte, gab er ihm alles doppelt zurück, was er verloren hatte. Diese Absicht Gottes bei Hiob erkannten weder seine ''Freunde'' noch seine Ehefrau. Der wahre Tröster und der „El Shaddai“ (das heißr der Allmächtige) ist Gott, darum sollten wir beten und Geduld haben wenn wir leiden, und vertrauen, daß Gott auch in unserem Leben genau weiß was er tut und zulässt. Wenn Gott zu uns redet, sollten Menschen eigentlich Sendepause haben. Die Freunde Hiobs haben das nicht kapiert und Gott war zornig auf sie und Hiob musste für sie am Ende Fürbitte leisten. Wir sollten nicht auf Menschen hören, wenn wir doch auf Gott hören können. Die Freunde Hiobs meinten Gott auf das reduzieren zu können, was in ihrem Kopf und in ihren Erfahrungen und ihrer Weltanschauung sowie ihrer Sicht Hiobs Leid gegenüber steckte. Sie waren graue Theoretiker und lausige Seelsorger. Sie haben weder Gott noch Hiob wahrgenommen, sondern den theologischen Hammer heraus geholt und Hiob mit ihrer vermeintlichen Klugheit fast erschlagen. Theologie kann einem manchmal wie ein Stein im Magen liegen. Aber Gott kann sogar Steine lebendig machen. Jedenfalls ist Gott nicht die Summe der Theologie, auch wenn sein Wort in der Bibel die Wahrheit beinhaltet.