Der bittende Freund -|- Andacht von Stefan Raillon (Daily-Message-Archiv, 11. Feb 2016)

Daily-Message
Die tägliche Andacht

Andacht Archiv-Nr. 4889

für den 11. Feb 2016 - Autor:

Der bittende Freund

Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

Lk 11, 5-9 *©*
 

„Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“ (Phil 1, 2).
Immer wenn ich an diese Verse denke, dann ist mein erster Gedanke, dass dieser Freund doch recht unverschämt ist. Immerhin hat er vergessen seine Vorräte aufzufüllen. Doch machen uns diese Verse auf einen Anspruch Gottes aufmerksam, den wir sehr schnell im Alltag übersehen. Es ist Gottes unendliche Gnade, die wir jeden Tag wieder vergessen. In dem Gleichnis können wir uns daher in dem bittenden Freund wiederfinden. Immer wieder neu stellen wir fest, dass wir dem Standard Gottes nicht im geringsten entsprechen! Im Alltag haben wir auf ganzer Linie versagt! Diese Einsicht ist für uns alle schmerzhaft, denn wer gibt schon gerne zu, dass er versagt hat.

Doch genauso heilsam ist die Botschaft, die Jesus an uns richtet. Denn gerade die Einsicht dieses Makels ist der erste Schritt zur Gnade Gottes. Wir dürfen mit all unseren Sorgen und Nöten zu ihm kommen, um die Vergebung zu erhalten, die wir nötig haben. Er ist der gnädige Vater, der uns annimmt und uns im Alltag beiseite steht. Das 11. Kapitel des Evangeliums nach Lukas fängt mit dem „Vaterunser“ an. Jesus betont, dass wir ihn um den Bedarf für das täglich Leben bitten dürfen. Es ist sein Versprechen, dass er uns versorgt. Weiterhin dürfen wir mit unserer täglichen Schuld zu ihm kommen. Wenn wir diese frohe Botschaft in unserem Herzen haben, dann können wir positiv in die Zukunft schauen.

Wer sich mit der Rolle der Nächstenliebe beschäftigt, der muss sich mit der Demut beschäftigen. Im Zentrum unseres Denkens und Handelns steht nicht unserer eigener Wille, sondern der Wille Gottes. Wenn wir unserem Nächsten gegenüber treten, dann sollen wir uns fragen, welche Vorstellung Gott von unserem Handeln hat. Rationelle und individuelle Einschätzungen treten damit in den Hintergrund. Nächstenliebe bedeutet damit, dass wir nicht nur den Personen in unserer Umgebung etwas Gutes tun, sondern ist damit auch ein Aspekt der Selbsterkenntnis. Wir erfahren, in welchem Rahmen wir uns vorstellen können, andere Menschen an unserem Leben teilhaben zu lassen. Nächstenliebe ist damit eine Art Spiegel, in dem wir unsere Hingabe an Gott erkennen können.
Liebe Geschwister, wer sich mit dem Thema „Nächstenliebe“ beschäftigt, der wird feststellen, dass er in ganz neuer Form etwas über Gottes Gnade und Liebe erfahren kann. Der Begriff „Nächstenliebe“ ist nicht weiter definiert und muss von Jedem selbst mit Inhalt gefüllt werden. Bei dieser Aufgaben wünschen jedem von uns Gottes Segen.
„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit Euch“ (Rom. 16, 20b).

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