mobi.daily-message.de die mobile Kurzandacht Nr.: 5508 - Sun., 22 Oct 2017

Jesus ruft die Sünder!

Jesus Christus spricht: „Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten.“

Markus 2,17


Liebe Brüder und Schwestern in Christus!

Kein biblisches Wort steht im leeren Raum. Es hat alles seinen „Sitz im Leben“. Das gilt auch für dieses Wort. Hier war einer, der eigentlich weit weg, sehr weit weg von alledem gewesen ist, was Lebensordnung unter Gottes Gebot heißt, Levi der Zöllner. Jesus hat das nicht zum Anlass genommen, ihm gegenüber dieselbe Haltung einzunehmen, welche die anderen des Volks und der religiösen Gruppierungen eingenommen haben, nämlich die der Distanz. Das hat allerlei Reaktionen hervorgerufen von denen, die längst die Welt eingeteilt hatten in Fromme und Sünder und die es nun überhaupt nicht verstehen konnten, dass gerade Jesus mit denen an einen Tisch setzt. Als sie sich darüber aufregen, erfolgt das Wort Jesu: „Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten.“ (Markus 2,17)

Die sich besonders darüber aufregten, waren die Pharisäer. Wir haben uns angewöhnt, sie für merkwürdige Leute, manchmal sogar für Heuchler zu halten. Aber man muss zunächst sagen, dass sie Menschen waren, die sich ihrer Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen ganz besonders bewusst waren. Ein Pharisäer behandelt die anderen so wie er selbst behandelt sein möchte. Er fragt, was will Gott, was braucht mein Nächster von mir in dieser und jener Situation. Und vielleicht muss man auch deutlich machen, dass die Fragen der Pharisäer an Jesus gar nicht immer böswillige Fangfragen waren. Oft wollten sie tatsächlich wissen: Was ist hier von Glauben gefordert? Irgendwie standen sie gerade für jene Menschen, die es damals schon gab und die es bis heute noch gibt und die in unserer Zeit der vielen Liberalismus oft genug geradezu gesucht werden: Menschen, die deutlich machen, dass es noch Maßstäbe gibt und dass man Unterschiede im Verhalten nicht verwischen darf. Eine Welt, die keine Maßstäbe mehr kennt, geht kaputt. So ist es geradezu eine ehrenwerte Position, die sie eingenommen haben, und Jesus bescheinigt ja denen, die eine Position vertreten, dass sie „gesund“ seien, wobei das nicht für Ironie zu halten ist.

Aber Jesus mahnt an, dass diese Position so etwas wie ein Selbstbestimmungsrecht über die Grenze, die man zieht, beschreibt. Und Jesus überschreitet diese Grenze. Sie heißt für ihn nicht „Maßlosigkeit“, und schon gar nicht bestätigt sie jene maßlose Ungebundenheit vieler Menschen, wie es sie unter uns bis heute gibt. Aber Jesus zeigt auf, was daraus wird, wenn moralische Maßstäbe über den Menschen eine Herrschaft gewinnen, in denen die Prinzipien mehr bedeuten als das Erbarmen. Und die Barmherzigkeit Jesu verdeutlicht das Erbarmen Gottes über die Maßstäbe um des Menschen willen. Jesus will heilen und nicht urteilen und schon gar nicht verurteilen, was wir Menschen allzu gerne und allzu oft praktizieren. Unsere moralischen Maßstäbe sind uns wichtiger als der Mensch selbst! Jesus aber bringt gleichsam in Person denen das Maß des Menschseins wieder, die es durch uns verloren haben. Es mögen sich die, die Gesunde bzw. Gerechte genannt werden, ihrer Gesundheit, das heißt ihres ordentlichen Lebens, ihrer grundtiefen Überzeugungen gewiss sein. Aber wie oft ist in dieser Gewissheit, auch Selbstgerechtigkeit, eng beisammen, dass man sich dieser Gesundheit erst dann erfreut, wenn man sieht, wie krank andere sind. Wie viele rechtschaffene Menschen brauchen die Skandale anderer, um selber die Bestätigung zu erfahren, wie wohlgeschaffen sie selber – „Gott sei Dank“ – noch immer sind.

„Ich bin gekommen“, sagt Jesus, „die Sünder zu rufen und nicht die „frommen Gerechten.“ Sünder war wohl der Sammelname für alle diejenigen, die aus der Ordnung des im Gesetz geforderten moralischen Verhaltens herausfielen und noch immer herausfallen, über die wohl anständigen Leute die Nase rümpfen.

Aber gerade von ihnen erzählt Jesus das Evangelium, wie sie den Weg zu Jesus finden, oder sollen wir besser sagen, wie Jesus sie sucht und den Weg zu ihnen findet. Dabei ist es nicht im Sinne Jesu, alle Unterschiede, die zwischen Menschen bestehen, aufzulösen und für unwesentlich zu halten, sondern er setzt voraus, dass es Gerechte und Sünder, Gesunde und Kranke gibt – bis heute! Es wird nicht bestritten, dass Sünder wirklich Sünder sind mit der ganzen Fragwürdigkeit des persönlichen Verhaltens. Aber ein Sünder braucht Hilfe und Hilfe soll nicht versagt werden. Ihm kann geholfen werden eben darum, weil er sich über seine Sünden nicht täuscht, sich nicht selbst belügt. Denn wie viele Gefahren sind dort anzufinden, wo man seine Selbstsicherheit und Sünde nicht erkennt. Niemand ist ohne Sünde. „Wenn wir behaupten, sündlos zu sein, betrügen wir uns selbst. Dann lebt die Wahrheit nicht in uns“ (1. Johannes 1,8).

Jesus ist gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten, die moralisch Überlegenden. So, dass an einem deutlich wird, dass Gott größer ist als unser Herz. Das meint nicht erhabener, allmächtiger, was würde das uns schon helfen, uns, die wir auf Beistand und Solidarität hoffen. Gott ist größer im Verstehen und im Vergeben. Sein Wille, uns zu ertragen und zu lieben, ist größer als unser Herz es ich vorstellen kann. Seine Liebe und Barmherzigkeit ist so unendlich weit, als wir es ergründen können. Gott setzt andere Maßstäbe! Nicht urteilen, verurteilen, Abgrenzung, Ausgrenzung, sondern Gott setzt auf Verstehen, Mitgefühl, Einfühlungsvermögen, Liebe und Barmherzigkeit! Weil das so ist, hat Gott selber uns in Jesus Christus gezeigt, dass wir gesuchte Leute sind, Menschen, zu denen er einen weiten Weg gegangen ist. Den weiten Weg vom Gottsein zum Mensch-werden. Darum werde ich nicht aufhören zu bitten: Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzen Tür Dir offen ist (nach EG 6,5). Amen.

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