Sein wie Petrus -|- Andacht von Joseph Gehr (Daily-Message-Archiv, 07. Nov 2016)

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Die tägliche Andacht

Andacht Archiv-Nr. 5159

für den 07. Nov 2016 - Autor:

Sein wie Petrus

Jesus fragte Simon Petrus: ''Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als die anderen hier?'' ''Ja, Herr'', antwortete ihm Petrus, ''du weißt, dass ich dich lieb habe.'' ''Dann hüte meine Lämmer'', sagte Jesus. Jesus wiederholte seine Frage: ''Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?'' ''Ja, Herr, du weißt doch, dass ich dich liebe'', antwortete Petrus noch einmal. Erneut sagte Jesus: ''Dann hüte meine Schafe!''Und zum dritten Mal fragte Jesus: ''Simon, Sohn des Johannes, hast du mich wirklich lieb?'' Jetzt wurde Petrus traurig, weil Jesus ihm nun zum dritten Mal diese Frage stellte. Deshalb antwortete er: ''Herr, du weißt alles. Du weißt doch auch, wie sehr ich dich liebe!'' Darauf sagte Jesus: ''Dann hüte meine Schafe!

Johannes 21,15-17 *©*
 

Immer, wenn ich vom Apostel Petrus lese, dann frage ich mich: Was war so Besonderes an ihm? Ja, was für ein Mensch war er eigentlich? Manche erklären, er sei ein Choleriker gewesen, ein Mann mit aufbrausenden Temperament: schnell entflammt für alles, rasch begeistert, ein Menschen, der schnell handelt, und nicht erst besonnen nachdenkt.
- Rasch zieht er das Schwert bei der Gefangennahme Jesu und verletzt einen Mann.
- Auf dem Berg Tabor will er gleich Hütten bauen.
- Er regt sich auf, als Jesus sein Leiden ankündigt: ''Herr, das darf nicht geschehen.''
- Er protestiert gegen die Fußwaschung – und als Jesus darauf besteht, ist es ihm nicht genug.
Petrus, der Aufbrausende, und schnell Begeisterte – das wird diesem Mann aber nicht gerecht, denn es ist zu vordergründig. Ich sehe Petrus eher als einen Menschen, der alles ganz gut machen will und der sich gerade durch seine Angst zu versagen immer wieder überfordert sieht – und darin erkenne auch ich mich wieder.
Nicht erst am Abend der Verleugnung bekommt er es mit der Angst zu tun.
- Als er wie Jesus über das Wasser gehen will, da gerät er in Angst und schreit um Hilfe.
- Als er mit den vielen Fischen nicht mehr fertig wird, die er gegen alle Regeln seines Handwerks fängt, ist er so außer sich, dass Jesus ihn beruhigen muss: “Fürchte dich nicht.''

Auf dem Weg zum Ölberg macht Jesus seine letzte Leidensankündigung: “Ihr werdet alle zu Fall kommen, wie es geschrieben steht: Ich werde den Hirten schlagen und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen'' - und darauf reagiert Petrus sehr eigenartig: “Und wenn sie alle fallen - ich nicht!''
Alle - das sind die, die gerade vor ihm und neben ihm und hinter ihm gehen. Die Aussage des Petrus hört sich überheblich an, muss es aber nicht sein. Denn wie oft habe ich in meinem Leben selbst schon gesagt: ''Ich nicht!'' oder ''Das kann mir nicht passieren'' oder ''Das kommt für mich überhaupt nicht in Frage.'' Und wenn ich ehrlich bin, dann heißt dieses ''Ich nicht'' wohl eher: ''Hoffentlich ich nicht auch.''
Für diesen Vorsatz, diesen guten Willen steht die Gestalt des Petrus für mich. Diesen guten Willen hat er nämlich auf jeden Fall – und sein guter Wille ist ehrlich gemeint, so wie ich es auch bei mir feststelle.
Immer, wenn Petrus auf seine eigene Kraft setzt, überfordert er sich. Als er das Schwert zieht, trägt das nichts zur Lösung bei. Und als die Angst dann vollends ausbricht, läuft er fort wie alle. Er hält es vor Angst nicht aus. Aber schon bald ist er wieder da, denn in der Sicherheit seines Verstecks hält er es noch weniger aus. Es zieht ihn zu Jesus hin. Das zeigt uns wieder sein Herz und seinen guten Willen. Und dann genügt es, dass ein paar Fremde ihn an seiner Aussprache als Jesu Jünger erkennen, dann hört er sich fluchen und schwören, dass er Jesus überhaupt nicht kennt.
Selten ist von Tränen die Rede in der Bibel. Von Petrus heißt es an dieser Stelle, er habe bitterlich geweint. Wenn wir bitterlich weinen, wissen wir nicht mehr weiter, sind wir verzweifelt, haben wir aufgehört, uns und die Welt zu verstehen. Petrus ist fassungslos über sich selbst, über die Zerrissenheit seines Herzens – ja. Es geht ihm so, wie Paulus einmal über sich selbst schreibt: ''Ich tue nicht das Gute, das ich tun will, sondern das Schlechte, das ich nicht tun will.''

Ja, Petrus hat viele Brüder und Schwestern. In ihm erkenne ich mich wieder – und wahrscheinlich so manch anderer Mensch auch. Niemand weiß, wozu er aus Angst imstande ist. Ich jedenfalls nicht. Nach der Auferstehung sehen sich Jesus und Petrus wieder, aber was sagt Jesus dann zu ihm? Er macht ihm keine Vorwürfe oder Vorhaltungen, alles, was er zu sagen hat, sagt er in der einen Frage: ''Liebst du mich?'' Auf eine erschütternde und verblüffend einfache Weise zeigt uns Jesus das Geheimnis der Vergebung. Vergebung ist mehr, als dass von Bestrafung abgesehen wird. Vergebung ist mehr, als dass einer eine Erklärung abgibt, dass keine Konsequenzen befürchtet werden müssen. Vergeben kommt von Geben. Das schenkt dem anderen mehr, als er durch sein Fehlverhalten verloren hat. Ich hoffe und bete, dass ich auf die Frage Jesu: ''Liebst du mich?'' auch wie Petrus antworten kann: ''Herr, du weißt alles! Du weißt auch, dass ich dich liebe.'' Amen

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