Gott ist König -|- Andacht von Joseph Gehr (Daily-Message-Archiv, 31. May 2016)

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Die tägliche Andacht

Andacht Archiv-Nr. 4999

für den 31. May 2016 - Autor:

Gott ist König

Da sprachen die Männer Israels zu Gideon: Herrsche über uns, du und dein Sohn und der Sohn deines Sohnes, weil du uns aus der Hand der Midianiter errettet hast! Aber Gideon sprach zu ihnen: Ich will nicht über euch herrschen, mein Sohn soll auch nicht über euch herrschen; der Herr soll über euch herrschen!

Richter 8,22-23 *©*
 

Die Israeliten wollen Gideon aufgrund seiner militärischen Erfolge zum König machen – und damit geschieht genau das, wovor Gott sie gewarnt hat, denn statt anzuerkennen, dass der Herr den Sieg geschenkt hat, vertrauen die Israeliten auf sich selbst und ihren „König“.

Gideons Glaube war zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon nicht mehr ganz so fest wie früher, aber er lehnt die Königswürde ab, weil er noch einen Rest von Ehrgefühl hat und weiß, dass der Sieg einzig und allein Gott zu verdanken ist.
Mit dieser Forderung nach einem König beginnt nämlich schon die Abwendung des Volkes Israel von Gott und sie beginnen wieder mehr, ihr Vertrauen auf weltliche Mächte zu setzen.

Gideons Hochachtung vor dem Herrn ist - so will es mir scheinen - nur äußerlich. Zwar lehnt er nach außen hin die Königswürde ab, inoffiziell aber handelt und denkt er aber dennoch wie ein König und erhebt beispielsweise eine Steuer, die er nach außen hin als Bezahlung für den von ihm errungenen Sieg darstellt. Und dann kommt das, was Gideon zum Verderben werden sollte: Aus den „Steuereinnahmen“ fertigt er ein Ephod, also ein priesterliches Gewand. Anstatt sein Volk auf das Bundeszelt und den normalen Priesterdienst zu verweisen, möchte Gideon, dass das Volk bei ihm nach Gottes Willen fragt - er gebärdet sich hier als heimlicher König und heimlicher Priester und möchte diese beiden Ämter in seiner Person vereinigen.
Zu Beginn der Gideongeschichte sollte er seine Heimatstadt Ophra vom Götzendienst befreien, nun setzt er ihn in genau dieser Stadt wieder ein - er führt Israel nicht zurück zum Herrn, sondern nur noch weiter weg von ihm.

Das Richterbuch zeigt uns eine schlimme Entwicklung auf: das Volk Israel wendet sich immer weiter von Gott ab und am Ende fragt man sich unwillkürlich, warum Gott sich überhaupt noch mit diesem Volk abgibt. Die Antwort auf diese Frage liegt nicht darin begründet, dass das Volk Israel so liebenswürdig gewesen wäre und Gott einfach nicht anders kann, als es zu lieben, nein, der Grund ist einzig und allein in der absoluten Bundestreue Gottes zu sehen.

Gideon setzt sich zwar öffentlich zur Ruhe, aber im Geheimen regiert und handelt er als König, nimmt sich viele Frauen und zeugt viele Kinder und einen seiner Söhne nennt er sogar Abimelech, das heißt: „mein Vater ist König“.
Nein, Gideon hatte das Volk nicht zurück zu Gott geführt. Obwohl er äußerlich dem Herrn Anerkennung zollte, lebte er doch insgeheim nach eigenen Maßstäben, setzte sich an die Stelle Gottes und seiner Priester und wollte, dass die Menschen ihn ehren.

An Gideon sehen wir, wie groß die Gefahr ist, vom rechten Weg abzukommen, und dass auch Menschen in Leitungspositionen nicht fehlerfrei sein müssen.

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