Das Evangelium ist keine Flickschusterei - die Bibel drückt es so aus: ''Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben...'' (Matthäus 9,17a). Dieses Verderben käme dann zustande, wenn man die Gesetze, die einen von seiner Schuld Gott gegenüber überzeugen sollen, auch nach der geschenkten Gerechtigkeit durch das Evangelium der Gnade, zum Zuchtmeister seines ewigen Heils umfunktionieren würde. Dann würde man neuen Wein in alte Schläuche kippen und es würde eine böse Überraschung folgen. Wir sind tatsächlich alle ungerecht (Hiob 4,17) und tun vor Gott nichts Gutes (Psalm 14, 1-3). Ein sehr guter Zuchtmeister und ein absolut gehorsamer und disziplinierter Schüler, würden diese Ausgangsposition nicht verändern - das wäre unmöglich! Der Glaube, nicht das Gesetz ist der Schlüssel ins Herz des Gesetzgebers. Keine noch so gute Reputation, kein perfektes Empfehlungsschreiben und auch keine fromme Mitgliedschaft in einem erlauchten Kreis oder eine Kirche, kann ein Zerreissen der alten Schläuche verhindern, wenn der neue Wein nicht in neue Schläuche gefüllt wird (Matthäus 9,17b). Wenn diese geistliche Tatsache uns vor Gott nun klar geworden ist, wie gehen wir nun mit dieser wichtigen Erkenntnis untereinander um? Es wäre mehr als unverständlich, wenn wir nun gegenseitig uns zu solchen fleischgewordenen Zuchtmeistern aufschwingen würden. Das mag noch nicht einmal in böser Absicht geschehen, aber es wäre trotzdem etwas, was uns vor Gott in kein gutes Licht rücken würde. Der ganze Brief von Paulus an die Galater hat nur dieses eine Thema: Gottes Gerechtigkeit in Jesus Christus contra Gesetzlichkeit! Diese Gemeinde dort war der Ansicht, man müsste dem Opfer Jesus noch dies und das zufügen, um selig zu werden und zu bleiben. Das aber wäre ein falsches Evangelium, dem der Apostel Paulus hart entgegenwirkte. Oft merkt man nicht einmal, wie man zum Zuchtmeister mutiert und Werke sowie Früchte fahrlässig miteinander verbindet beziehungsweise verwechselt.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen Werken zur Errettung und Früchten der Errettung. Das Eine ist unmöglich (Galater 2,16) und das Andere ist die Folge der Neugeburt (Matthäus 7,17). Aber wir müssen auch davon wegkommen, über nicht für das Heil entscheidende Dinge zu streiten (Römer 14,1) oder andere Christen zu verurteilen, die aus der Gnade heraus sich aus manchen Dingen kein Gewissen machen (die mir persönlich vielleicht schwer fallen). In Römer 14, 4-5 lesen wir: ''Wer bist du, daß du den Hausknecht eines anderen richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden; denn Gott vermag ihn aufrecht zu halten. Dieser hält einen Tag höher als den anderen, jener hält alle Tage gleich; jeder sei seiner Meinung gewiß!''. Wir sollen uns einander lieben (Johannes 13, 34-35). Das bedeutet auch, sich einfach trotz unterschiedlicher Ansichten anzunehmen und zu achten und zu respektieren. Die Jünger Jesu waren sich charakterlich sicherlich alle unähnlich, und gewiss nicht stets einer Meinung in den täglichen Dingen und den Gepflogenheiten. Sie haben sogar in geistlichen Fragen miteinander gestritten (Johannes 3,25). Wenn wir Christen über Gerechtigkeit und Rechtfertigung aus Gnade sprechen, können wir grundsätzlich immer nur das meinen, was Paulus in Römer 3, 21-24 geschrieben hat: ''Jetzt aber ist außerhalb des Gesetzes die Gerechtigkeit Gottes offenbar gemacht worden, die von dem Gesetz und den Propheten bezeugt wird, nämlich die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus, die zu allen und auf alle [kommt], die glauben. Denn es ist kein Unterschied; denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten, so daß sie ohne Verdienst gerechtfertigt werden durch seine Gnade aufgrund der Erlösung, die in Christus Jesus ist''. Gelobt sei Gott - Amen!