Das Gegenteil von einem sanftmütigen Geist ist wohl so etwas wie ein grobschlächtiger Geist. So jemand wäre rigoros in seinen Beurteilungen und Verurteilungen. Es wäre ihm vermutlich auch ziemlich egal, warum, wieso und wodurch eine Verfehlung stattgefunden hat und zustande kam. Eine Hilfe wäre so ein Auftreten für einen Betroffenen nicht. Eher eine zusätzliche Belastung. Die Frage ist, wie gehen wir als Christen geistlich mit so einer Situation um? Gehen wir überhaupt geistlich damit um? Man kann hier auch sehr irdisch, hochmütig und selbstgerecht sich verhalten. Mit einer entschlossenen, heiligen Gelassenheit (ich nenne es mal Sanftmut) kann man bestimmt mehr erreichen. Ich glaube, wir können von anderen Christen auch nur dann tatsächlich etwas annehmen und auch einsehen, wenn sie sich entsprechend sanft, interessiert und nüchtern zeigen. Wer nur mit erhobenem Zeigefinger und oberflächlicher Kritik daher kommt, hat eigentlich schon verloren. In einer Predigt las ich: „Paulus spricht im sechsten Kapitel des Galaterbriefes vom „Gesetz Christi“ Seiner Auffassung nach erfüllen wir das „Gesetz Christi“, indem wir die Last des anderen mittragen. Dieses „Gesetz Christi“ darf keinesfalls gesetzlich verstanden werden. Es handelt sich vielmehr um eine geistliche Gesetzmäßigkeit, dass ein Mensch, der vom Geist Christi erfüllt ist, mit anderen mitfühlt. Heutzutage spricht man gerne von Empathie. Mit Empathie bezeichnet man die Fähigkeit, sich in den anderen einzufühlen. Dazu befähigt uns in besonderer Weise der Geist Christi“. Bestes Vorbild ist hier unser Heiland selbst, der von sich die bekannten Worte sagt: ''Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken! Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen! Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht'' (Matthäus 11, 28-30).
Die Kraft, die aus sanftmütigen Worten kommt, bewirkt viel mehr, als jeder aufgeblasene Wortschwall aus einem hartherzigen Gemüt, Paulus ermahnte manche in der Gemeinde, die in einer hochmütigen Einstellung negativ auf sich aufmerksam machten. In 1. Korinther 4, 19-21 schrieb er: „Ich werde aber, wenn der Herr will, recht bald zu euch kommen und nicht die Worte der Aufgeblasenen kennenlernen, sondern ihre Kraft. Denn das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft. Was wollt ihr? Soll ich mit dem Stock zu euch kommen oder mit Liebe und sanftmütigem Geist“? Da haben wir persönlich sicherlich auch schon die eine oder andere Erfahrung am eigenen Leibe gespürt, wenn jemand alles andere als sanftmütig mit uns umgegangen ist! Über jedes unnütze Wort müssen wir vor Gott einmal Rechenschaft ablegen (Matthäus 12,36). Und wie viele Worte werden dann gerügt werden, die aus einem unbarmherzigen Geist heraus ausgesprochen wurden? Gerade auch unseren eigenen Glaubensgeschwistern gegenüber, die wie wir fehlbare aber dennoch gläubige Menschen sind. Wie viel Unbedachtes und Überflüssiges kam da schon aus unserem Mund heraus? Worte sind wie Waffen und was einmal ausgesprochen wurde, kann nicht mehr zurückgeholt werden. Daran sollten wir denken, bevor wir vielleicht Schaden und zusätzliche Not bei anderen auslösen und bewirken. Man kann tatsächlich klare Worte und Ermahnung in einer sanftmütigen Art und Weise vermitteln, ohne gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. So kann man sich schnell Feinde machen. Von Natur aus sind wir Menschen eher nicht sanftmütig. Aber als neu geborene Menschen haben wir den Geist Gottes erhalten. In 2. Korinther 1, 20-22 steht: „Denn auf alle Gottesverheißungen ist in ihm das Ja; darum sprechen wir auch durch ihn das Amen, Gott zur Ehre. Gott ist’s aber, der uns fest macht samt euch in Christus und uns gesalbt hat und versiegelt und in unsre Herzen als Unterpfand den Geist gegeben hat“. Darauf dürfen (sollen) wir dann auch setzen im Umgang miteinander.
Fortsetzung morgen...