mobi.daily-message.de die mobile Kurzandacht Nr.: 4646 - Sat., 13 Jun 2015

Gottes Mitleiden mit uns

Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren, / meine geliebete Seele, das ist mein Begehren. / Kommet zu hauf, Psalter und Harfe, wacht auf, / lasset den Lobgesang hören! / Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, / der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet, / der dich erhält, wie es dir selber gefällt; / hast du nicht dieses verspüret?

Joachim Neander


Wir singen es sehr oft das Lied von Joachim Neander mit dem Titel „Lobe den Herren...”. Und darin kommt in der Zweiten Strophe der Vers vor: ''... der Dich erhält, wie es Dir selber gefällt. Hast Du nicht dieses verspüret?'' Ein Satz ohne besonderes Gewicht? Ein Satz ohne Besonderheiten? Ein Satz, der uns leicht über die Lippen geht?
Nein, so muss ich bekennen, ich habe es nicht immer verspürt, im Gegenteil, manchmal habe ich eher die gegenteiligen Eindrücke. Dabei verlief mein Leben bis jetzt in vergleichsweise ruhigem und ungestörten Rahmen, ohne besondere Tragik. Es gibt da weitaus schlimmere Beispiele: Da wird ein Polizist zu einem Unfall gerufen. Ein blutüberströmtes Kind liegt auf der Straße - tot. Es ist sein eigener Sohn Stefan. Und dabei hat der Polizist bereits ein kleines Töchterchen durch einen Unfall verloren und sein drittes Kind ist schwerstbehindert.'' - kann man da noch sagen. „der Dich erhält, wie es Dir selber gefällt'', ohne zu stocken?
Wenn ich solches lese und höre, wenn ich derartige Schicksale kennen gelernt habe, dann schäme ich mich meiner Wehleidigkeit; dann bin ich überrascht, dass man angesichts solcher Vorfälle über Zahnschmerzen, ein Magengeschwür, eine ausgebliebene Beförderung klagen kann und dramatisch fragt: „Warum ich, warum ausgerechnet mir? Warum gerade ich nicht? Wieso kann Gott so etwas zulassen?”
Ja, wahrhaftig, so will es mir scheinen: Gott lässt noch ganz anderes zu, hat noch ganz anderes zugelassen: Borken, Ramstein, Lockerbie, die Estonia, die Kursk ... Ausschwitz. Oder, wie es so manche Todesanzeige unbedacht und unüberlegt formuliert: ''Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen ...” Ich frage mich da immer: Gefallen? Und ich möchte rufen: „um Gottes Willen, das doch nicht!” Aber, so können sie mir darauf antworten: „Immerhin hat er es auch nicht verhindert.”
Ich höre sie jetzt direkt fragen: ''Nach dem, was da gerade gesagt wurde, müssen wir da nicht alle Atheisten werden? Ja, so könnte ich Ihnen antworten, wenn man glaubt, dass dieses Leben alles ist, dass nach diesem Leben nichts mehr kommt, mit dem Tod alles aus ist, dann, ja dann müssten wir alle Atheisten werden. Aber das wäre wohl wieder zu kurz gedacht. Mit dem Tod ist noch lange nicht alles aus, deshalb werde ich kein Atheist, deshalb glauben ich, dass Gott, mein liebender Vater, mich empfangen wird am Ende meines Lebens und mich ganz fest in seine Arme schließen wird.
''Wie kannst Du nach Auschwitz noch an Gott glauben?'' fragte ein Überlebender des Konzentrationslagers Auschwitz einen anderen, der statt zu antworten die Gegenfrage stellte: ''Wie kannst Du nach Auschwitz nicht an Gott glauben?'' Doch zurück zu unserer Frage. Sie könnten nun darauf bestehen: ''Wieso kann Gott dies alles zulassen? Gib endlich eine Antwort darauf!'' Und meine Antwort darauf ist einfach und unbefriedigend - für mich und vielleicht auch für sie: Ich weiß es nicht, muss ich zugeben, aber ich weiß, besser gesagt ich glaube, er leidet mit uns mit.

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