mobi.daily-message.de die mobile Kurzandacht Nr.: 3201 - Wed., 29 Jun 2011

Jeremia und die gefühlte Wahrheit

''Ihr seid unser Brief, in unser Herz geschrieben, erkannt und gelesen von allen Menschen! Ist doch offenbar geworden, dass ihr ein Brief Christi seid, durch unsern Dienst zubereitet, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln, nämlich eure Herzen''.

2. Korinther 3, 2-3


Die Wahrheit zu sagen, bedeutet nicht zwangsläufig auch stets Freude darüber zu empfinden. Man kann sogar manchmal sehr betrübt und traurig sein, etwas Wahres zu sagen, zu hören, zu sehen, und auch gesagt zu bekommen. Paulus erlebte dies so, und schrieb an die christliche Gemeinde in Rom: ''Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im Heiligen Geist, dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe'' (Römer 9, 1-2). Kennen wir auch solche Momente, in denen wir keine Zweifel haben an dem, was richtig ist, und dennoch keine Freude dabei aufkommt? Das muss uns nicht irritieren, denn manche freuen sich ja auch über Lügen, was im Endeffekt weitaus schlimmer ist. Ein besonders anschauliches Beispiel eines Lebens was von Wahrheit und Traurigkeit geprägt war, ist das Leben Jeremias, des alttestamentlichen Propheten. Man kann auch sagen, er war ein Mann mit schlechten Nachrichten für das Volk Gottes. Entsprechend beliebt und geachtet war er im Volk. Was sollten wir von jemandem lernen, dem Gott die Ehelosigkeit verordnet hat (Jeremia 16,2), der nicht trauern und klagen sollte (16,5), der nicht trösten soll (16,7), der bei keiner Feier zugegen sein durfte (16,8) und stattdessen Gericht und Strafe verkünden sollte? Jeremia war ein einsamer Mann - verfolgt und bedroht. Er war selbst erschrocken sowie körperlich und seelisch angegriffen (Jeremia 4,9). Er sagte: ''Was kann mich in meinem Jammer erquicken? Mein Herz in mir ist krank'' (Jeremia 8,18). Das Leben Jeremias ist kein Vorbild für uns! Jeremia haderte auch mit Gott und konnte nicht verstehen, warum dies alles so geschehen musste und er, als Prophet, der er gar nicht sein wollte, mittendrin war. Lesen wir in Jeremia 20,7-9: ''HERR, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muss ich schreien; »Frevel und Gewalt!« muss ich rufen. Denn des HERRN Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen verschlossen, dass ich's nicht ertragen konnte; ich wäre schier vergangen''. Starke Worte und ein starker Glaube!

Wir können Jeremia nicht als Vorbild nehmen für seinen Dienst, denn es war ihm eine große Last und nur für eine bestimmte Zeit in dieser Weise verordnet. Aber was wir als Vorbild nehmen können, ist sein großer Glaube und sein Gehorsam. Gottes Geist brannte in seinem Herzen und trotz aller gefühlten Abneigung, zu tun was er sollte und zu sagen was ihm verordnet wurde, hat er Gott mehr gehorcht als seinen Gefühlen und auch die Anfeindungen seines eigenen Volkes eher erduldet, als Gott ungehorsam zu sein. Waren die Gefühle Jeremias nun falsch? Nein, denn auch Gefühle müssen nicht automatisch fleischlich, irdisch, niedrig oder verkehrt sein, wenn sie von Gottes Geist geführt werden. Wir sollen auch Traurigkeit und Fröhlichkeit nicht gegeneinander ausspielen. Alles hat seine Zeit (Prediger 3,1) und wenn wir nicht auch manchmal fühlen, was wir glauben und der Wahrheit entspricht, wie können wir verstehen und vermitteln was Gott will? Das können auch Emotionen der Angst, Traurigkeit, Unsicherheit und Verzagtheit sein - aber sicherlich nicht nur! Jeremia war sozusagen das Instrument der Zucht Gottes an Israel. Er war ein Brief Gottes - so wie Jeremia gelitten hat, so hat auch Gott gelitten am Ungehorsam seines Volkes und deren Sünden. Er war kein Briefträger, sondern ein Brief! Was geschehen ist, wurde Israel letztlich zum Segen und Gott hat dann auch durch Jeremia verkündet: ''Zu derselben Zeit, spricht der HERR, will ich der Gott aller Geschlechter Israels sein und sie sollen mein Volk sein. So spricht der HERR: Das Volk, das dem Schwert entronnen ist, hat Gnade gefunden in der Wüste; Israel zieht hin zu seiner Ruhe. Der HERR ist mir erschienen von ferne: Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte. Wohlan, ich will dich wiederum bauen, dass du gebaut sein sollst, du Jungfrau Israel; du sollst dich wieder schmücken, Pauken schlagen und herausgehen zum Tanz. Du sollst wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samarias; pflanzen wird man sie und ihre Früchte genießen'' (Jeremia 31, 1-5). Und auch wir werden entrinnen - allem Schmutz, aller Falschheit und Sünde, aller Lüge und allem Leid - die Wahrheit (sagt Jesus) wird uns frei machen - auch wenn es manchmal wehtut (Johannes 8, 32).


Bildquelle: http://www.pixelio.de

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