mobi.daily-message.de die mobile Kurzandacht Nr.: 2698 - Thu., 11 Feb 2010

Stiller Feierabend

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten

Matthäus 6, 6


Seit einigen Wochen ist unsere Kirche montags abends eine Stunde lang geöffnet. „Stiller Feierabend“ haben wir das genannt, wenn man von 18.00 Uhr bis 19.00 Uhr zur Ruhe nach einem langen (Arbeits-)tag kommen möchte. Außer dem beleuchteten Kreuz und ein paar Kerzen kommt auch kein ablenkendes Licht in diesen Raum der Stille. Es waren schon einige Menschen da, die hier zur Ruhe kommen und ein wenig Abstand von dem ganzen Umtrieb dieser Welt nehmen konnten.
Mir persönlich bietet diese Stille am Abend Gelegenheit ganz bewusst auf Gott zu hören. Anfangs war es gar nicht so einfach, so gar nichts zu tun, nicht zu reden, nicht zu denken und eben nur zu hören. Vieles ging mir durch den Kopf, Gedanken aus allen Richtungen wollten mich ablenken. Wenn ich alleine war, dann spürte ich auch, wie lange so eine Stunde „Nichtstun“ sein kann und wie müde ich manchmal dabei wurde.
Doch mittlerweile suche ich ganz bewusst diese Stille. Ich beginne mit einem ganz kurzen Dankgebet, gehe in schnellen Gedanken den Tag noch einmal durch und gebe ihn im Gebet bei Gott ab. Dann setze ich mich (meistens) auf den Boden mit dem Rücken angelehnt an den Abendmahltisch unter das beleuchtete Kreuz. Mein Blick richtet sich dabei auf das gegenüberliegende Fenster, in dem sich die Kerzen und das Kreuz spiegeln. Hier fühle ich mich aufgehoben, geborgen und daheim bei Gott. „Unterm Kreuz ist Frieden“ – so beginnt ein Kirchenlied. Und diesen Frieden spüre ich im Vorbeiziehen der Minuten. Deutlich merke ich, wie die Gedanken, die mich an den Tag erinnern immer weniger werden und neue Gedanken und Hinweise kommen können. Wie Gott hier zu mir redet ist unterschiedlich, mal höre ich absolut nichts und merke doch, wie sich diese Ruhe des Raumes auf meine Seele legt und ich gleichmäßig durchatme. Und ein anderes Mal begegnet mir Gottes Geist und zeigt mir Wege auf, die vor mir liegen, die ich vorher noch gar nicht gesehen habe.
Es ist schon etwas Besonderes, wenn ich anschließend die Kirche verlasse und mich wieder auf den Weg nach Hause mache. Der Lärm der Stadt umgibt mich, doch innerlich bin ich ruhig und gelassen geworden. Gottes Geist hat etwas in mir verändert. Gekonnt hat er das, weil ich ihm Zeit geschenkt habe. Jesus selbst hat sich immer wieder zurückgezogen, hat sich dem Lärm und dem Ansturm der Menschen entzogen und ging in die Einsamkeit und Stille, damit er seinem Vater ungestört begegnen konnte.
Ich wünsche Euch, dass ihr auch einen Platz, einen Raum der Stille finden könnt, in dem Euch Gott begegnen darf. Vielleicht ist die heutige daily-message auch ein Anstoß, die eigenen Kirchentüren für eine Stunde in der Woche zu öffnen und zur Stille einzuladen.
Gott segne Euch!

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