Petrus musste hier einiges lernen (wie wir auch) um für diesen wichtigen Liebesdienst wirklich gerüstet zu sein. Gott will ja keinen Menschen auf die Christen loslassen, der sich selbst noch nicht kennt und eine komische, theoretische Vorstellung von Liebe und Gnade hat. Man kann auch eine romantische Vorstellung vom Glaubensleben haben! Dann fühlt man sich (solange es keine Störungen gibt) tatsächlich wie ein Adler, Löwe oder Bär. Ich glaube nicht, daß dies für unsere Seele in dieser Welt tragfähig ist, wenn wir nicht einsehen (im übertragenen Sinne), schwache, orientierungslose Schafe zu sein! Daher brauchen wir unsere Enttäuschungen. Und zwar in dem Sinne, daß wir so manche Täuschungen entfernen lassen. Wir müssen kämpfen, überwinden, aufsehen, laufen und glauben durch den, der uns stark macht – Jesus Christus! Ebenso verkehrt ist eine kriegerische Vorstellung des Glaubens um die Interessen Gottes in der Welt auszuleben. Auch hier irrte Petrus, als er im Garten Gethsemane bei der Verhaftung Jesu dem Knecht des Hohepriesters ein Ohr abschlug (Johannes 18,10). Jesus tadelte ihn deutlich (Vers 11: „Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke dein Schwert in die Scheide! Soll ich den Kelch nicht trinken, den mir der Vater gegeben hat“)? Auch hier hatte Petrus eine verkehrte Vorstellung von dem, was nun geschehen musste. Also auf Deutsch sagte Jesus dem Petrus gewissermaßen: „Kämpfe nicht zur falschen Zeit mit den verkehrten Mitteln! Willst du nicht erlöst werden“? Menschen brauchen Hirten, aber weltlich desillusionierte Hirten und geistliche Leiter. Menschen, die auch aus ihren Niederlagen und Pleiten etwas gelernt haben – wie Petrus! Danach konnte er Jesu Auftrag voll und ganz erfüllen: Weide meine Schafe! Unter der Leitung von Petrus wuchs die erste Gemeinde heran. Das war die Grundlage für alle weiteren Gemeinden.
William McDonald schreibt: „Es ist oft betont worden, daß in diesen Versen zwei verschiedene Worte für »lieben« gebraucht werden. Wir können Vers 15 folgendermaßen paraphrasieren: »Simon, Sohn des Jona, liebst du mich mehr als diese anderen Jünger?« Er spricht zu ihm: »Ja, Herr, du weißt, daß ich dich mag.« Er wollte sich nicht mehr brüsten, daß er den Herrn nie verlassen würde, selbst, wenn alle anderen es täten. Er hat seine Lektion gelernt. »Hüte meine Lämmer« lautete der Auftrag Jesu. Eine sehr praktische Art, Christus sein Liebe zu zeigen ist, wenn man die Jüngeren in der Herde weidet. Es ist interessant zu bemerken, daß sich das Thema vom Fischen zum Schafe hüten verschoben hatte. Das erste spricht vom evangelistischen Dienst, das zweite steht für die Lehre und den Hirtendienst. Zum zweiten Mal fragte der Herr Petrus, ob er ihn liebe. Petrus antwortete zum zweiten Mal, im echten Selbstmisstrauen: »Ja, Herr, du weißt, daß ich dich mag.« Diesmal spricht er zu ihm: »Hüte meine Schafe!« Es gibt Lämmer und Schafe in der Herde Christi, und sie brauchen die liebevolle Fürsorge eines Menschen, der den Hirten liebt“. Petrus weidete die Schafherde Gottes unter Einsatz seines ganzen Lebens, sogar unter der feurigen Verfolgung Roms und der jüdischen Autoritäten. Ohne die Lektionen die er lernen musste, wäre das so nicht möglich gewesen. Auch für uns gibt es im Leben Dinge, die wir lernen müssen, damit wir Gott wirklich dienen können. So wie Jesus zum Vater zieht (Johannes 14,6) so zieht Gott seine Schafe auch zur wahren Liebe Jesus Christus gegenüber. Ohne Jesus können wir nichts tun (Johannes 15,5). Wenn wir das verstanden haben, können wir die dreifache Frage Jesu an Petrus auch auf uns übertragen und in Wahrheit für uns beantworten: ''Hast du mich lieb''?