Der Portiunkula-Ablass -|- Andacht von Jörg Bauer (Daily-Message-Archiv, 04. Sep 2017)

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Die tägliche Andacht

Andacht Archiv-Nr. 5460

für den 04. Sep 2017 - Autor:

Der Portiunkula-Ablass

''Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen''.

Epheser 2, 8-10 *©*
 

In einer italienischen Sommernacht des Jahres 1216 soll Franz von Assisi in die Portiunkula-Kapelle gegangen sein, die im Tal von Assisi liegt, um zu beten. Dabei soll er gespürt haben, wie Jesus ihn aufforderte, zum Papst zu gehen und ein damals unerhörtes Privilegium zu erwirken - den großen Portiunkula-Ablass. Papst Honorius III. gewährte ihm den Ablass. Der Portiunkula-Ablass (ital. Grande Perdono d’Assisi) ist ein Ablass der am 2. August oder am darauf folgenden Sonntag – ab 12 Uhr des Vortages bis 24 Uhr des betreffenden Tages – in Pfarrkirchen oder Kirchen des Franziskanerordens als vollkommener Ablass gewonnen werden kann (Wikipedia). Und das gilt tatsächlich auch heute noch - gut 500 Jahre nach der Reformation. Voraussetzungen wären: Besuch einer dieser Kirchen mit Gebet von Vater unser und Glaubensbekenntnis. Zusätzlich gefordert ist die Erfüllung der üblichen Bedingungen für einen Ablass: Beichte mit entschlossener Abkehr von jeder Sünde, eucharistischer Kommunionsempfang und Gebet auf Meinung des ''Heiligen Vaters''. Diese Bedingungen können mehrere Tage vor (oder auch nach) dem Kirchenbesuch erfüllt werden. Wäre alles erfüllt, würde man die ''Vergebung von Assisi'' erhalten. Ich denke viele Christen und Katholiken wissen das gar nicht. Es klingt tatsächlich wie blanker Hohn, wenn man diesen kirchlichen Tatsachen die Aussagen der Bibel entgegenstellt. Es stellt sich die Frage, ob man die Gnade der Kirche, oder die Gnade Gottes erstrebt? Für wen es der einfachere Weg ist, sich der Kirche hier anzubefehlen (im falschen Glauben an deren Autorität) und sich vielleicht sogar um diesen Ablass zu bemühen, zur Befreiung sämtlicher Sünden, dem wäre tatsächlich nicht mehr zu helfen. Woher kommt der rettende Glaube? In 2. Petrus 1,1 lesen wir die Anfangsworte des Apostels in seinem Brief: ''Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi, an alle, die mit uns denselben kostbaren Glauben empfangen haben durch die Gerechtigkeit unseres Gottes und Heilands Jesus Christus: Gott gebe euch viel Gnade und Frieden durch die Erkenntnis Gottes und Jesu, unseres Herrn''!

Ausgerechnet dieser Petrus, den die katholische Kirche für den ersten Papst hält, stellt unmissverständlich fest, daß der Glaube allein von und durch Gott empfangen wird. Und zwar durch die Gerechtigkeit Gottes in Jesus Christus. Von einem Glauben an die Kirche steht da nichts und auch nicht, daß man durch zeremonielle Huldigungsübungen an bestimmten Orten und zu einem bestimmten Zeitpunkt vollkommene Erlösung erhält. Der Glaube ansich und entsprechend an die rettende Gnade im Evangelium, ist in aller Konsequenz und Entschiedenheit eine kostbare Gabe Gottes. Wir können uns also nicht aus uns selbst dazu entscheiden, an Gott in der Weise zu glauben, daß wir tatsächlich von allen Sünden befreit sind. Und selbst wenn wir es könnten (was nicht der Fall ist, wie die Bibel oft und klar feststellt), wäre das was dieser Portinkula-Ablass beinhaltet und verspricht, eine verlogene Werkgerechtigkeit und eine trügerische Hoffnung, die nicht zum Ziel führen kann. Gerechtigkeit Gottes in dem Fall bedeutet einfach, daß Gott demjenigen den rettenden Glauben an Jesus Christus ohne jede Vorleistung schenkt, wem er das in seiner Souveränität geben will. Und es gibt auch in dem Sinne keine nachgeholte Werkgerechtigkeit. Man sich also als wahrer Christ die Erlösung im nachhinein noch irgendwie verdienen will. Das wäre letztlich Unglaube. Was wir tun sollen ist, in der Erkenntnis über Jesus Christus, dem wahren Gott und wahren Menschen nachzudenken, und ihn immer besser kennen- und lieben lernen und im Glauben zu wachsen. Entsprechend soll sicherlich dann auch unser Verhalten sein - das ist klar. Aber das kann uns letztlich nicht mehr oder weniger erlösen, als wir schon sind. Wer den Glauben und sein Christsein, seine Gotteskindschaft als ein großes Geschenk sehen kann, dem wird auch die Gnade und Liebe Gottes groß in seinem Herzen. Dem ist dann jeder Kirchenglaube und jede falsche Religiosität zuwider. Gott ist groß!

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