Der Reiz des Redens -|- Andacht von Jörg Bauer (Daily-Message-Archiv, 18. Dec 2013)

Daily-Message
Die tägliche Andacht

Andacht Archiv-Nr. 4104

für den 18. Dec 2013 - Autor:

Der Reiz des Redens

''Ich habe das schon oft gehört. Ihr seid allzumal leidige Tröster! Wollen die leeren Worte kein Ende haben? Oder was reizt dich, so zu reden?''

Hiob 16, 2-3 *©*
 

Wir hatten in meiner damaligen Gemeinde einmal eine Evangelisation mit Teebus, Büchertisch und abendlichen Vorträgen in der Stadt und Gemeinde. Da kam um die Mittagszeit eine Frau mittleren Alters vorbei, schaute sich die ausgelegten Bücher und Schriften an und sagte nach einer Weile: ''Es gibt keinen Gott!'' Ich gab ihr ein evangelistisches Buch, aber bevor ich überhaupt recht nachdenken und antworten konnte, sagte sie frustriert und verbittert, daß sie innerhalb kurzer Zeit den Mann und die Kinder verloren hätte!? Ich konnte nur erahnen, was sie meinte? Sie wiederholte sich: ''Es gibt keinen Gott!'' Dann legte sie das Buch zurück und verschwand in der Menschenmenge. Da stand ich nun und fühlte mich hilflos, unfähig, lächerlich und deprimiert. Spontan betete ich für diese Frau - ich konnte nichts anderes - was hätte ich ihr sagen können und sollen: ''Was haben sie verbrochen, daß Gott sie so schlägt!?'', ''Kopf hoch, das Leben geht weiter!?'' oder: ''Jeder muss mal sterben, aber danach kommt das Gericht!?'' Ich wäre ein leidiger Tröster gewesen - so wie Hiobs Freunde. Manchmal ist jedes Wort zuviel und wenn wir leiden oder mit einem Leidenden zu tun haben, so rät uns die Bibel, daß wir beten sollen (Jakobus 5,13). Was Hiobs Freunde anfänglich taten, nämlich weinen, Kleider zerreissen, Sand auf das Haupt streuen und schweigend einfach dem Hiob längere Zeit nahe zu sein, war das Beste an ihrem Besuch (Hiob 2, 11-13). Was reizte sie zu reden? Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit? Unsicherheit und Hirngespinste? Vielleicht die Möglichkeit, ihr frommes Wissen endlich mal an den Mann zu bringen? Wer Leid trägt (was man ''trägt'' wiegt manchmal schwer) der soll getröstet werden. Jesus sagte dies in der Bergpredigt (Matthäus 5,4). Die Frage ist also: Wie kann man trösten? Hiobs Freunde sind ein schlechtes Beispiel. Nicht weil sie grundsätzlich und allgemein Falsches gesagt haben, sondern weil es der Situation Hiobs absolut nicht gerecht wurde. Es war deplaziert. Gut gemeint, schlecht gemacht! Zur falschen Zeit am falschen Ort oder zur rechten Zeit das Falsche gesagt oder das Falsche zur rechten Zeit. Oder eben auch überhaupt etwas gesagt.

Hiobs Freunde stellten merkwürdige Fragen in den Raum, unterstellten ihm verborgene Sünden und vergrößerten so seinen Schmerz und Frust. Manchmal leiden wir darunter, daß Gott nicht vorhersehbar mit uns umgeht. Das liegt zwar auf der Hand, aber wir kommen damit nicht immer klar. Die Frau Hiobs war mit der Situation überfordert und emotional brach es dann auch aus ihr heraus: ''Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb!'' (Hiob 2,9). Auch sie war eine leidige (recht radikale) Trösterin. Gottes Hand (sein Wirken) kann sich für uns manchmal unerwartet verändern (Psalm 77,11) auch wenn ER selbst unveränderlich bleibt (Jakobus 1,17). Das Buch Hiob zeigt auch, wie sehr wir von Gott abhängig sind und wie schnell sich immer alles verändern kann - zum Guten und zum Schlechten. Hiob hatte Geduld - er setzte das um, was Paulus dem jungen Timotheus lange Zeit später ans Herz legte: Leide willig (2. Timotheus 4,5)! Hiob wurde von Gott durch Satan prüfend gesegnet. Gottes anschließende Belehrungen hatte Hiob mit großer Demut gehört, aufgenommen und verstanden. Jakobus lobte Hiob in seinem Brief, Kapitel 5, Vers 11: ''Von der Geduld Hiobs habt ihr gehört und habt gesehen, zu welchem Ende es der Herr geführt hat; denn der Herr ist barmherzig und ein Erbarmer''. Ich glaube keiner außer Jesus Christus selbst, hat zu irdischen Lebzeiten so viel Leid und Kummer gehabt wie Hiob. Zumindest nicht in so geballter Wucht und Heftigkeit. Hiob verzagte nicht, weil ihm Gott wichtiger war als aller Besitz und sogar die eigene Familie (Matthäus 10,37). Das erkannten weder seine ''Freunde'' noch seine Ehefrau. Der wahre Tröster ist Gott, darum sollten wir beten und Geduld haben und uns nicht auf Menschen verlassen. Jesaja verheisst und erinnert das Volk Gottes und schreibt: ''Ich, ich bin euer Tröster! Wer bist du denn, dass du dich vor Menschen gefürchtet hast, die doch sterben, und vor Menschenkindern, die wie Gras vergehen...'' (Jesaja 51,12).

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