Isaak und Jesus -|- Andacht von Tobias D. Kölling (tragophil) (Daily-Message-Archiv, 15. Jan 2003)

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Die tägliche Andacht

Andacht Archiv-Nr. 114

für den 15. Jan 2003 - Autor:

Isaak und Jesus

''Und Abraham sagte, Isaak, das Schaf zum Brandopfer wird Gott sich selbst auswählen.''

1 Mo 22,1-14 *©*
 

Ich habe diesen Text auf meine Weise neu geschrieben, weil mir die Einheitsübersetzung ein wenig zu verstaubt, erschien.

Für mich wirft der Text zwei große Fragen auf. Und ich bin mir bei den Antworten unsicher.

Einerseits frage ich mich: Wieso opfert Abraham seinen Sohn? Und das wird sogar deutlich beantwortet: Weil er Gott ''fürchtet''. Und das klingt so, als hätte er Angst. Aber wenn man diese Geschichte vorsichtig und mehrmals liest, dann kann diese Furcht nichts mit unserer Angst zu tun haben. Denn noch wenige Zeilen zuvor, feilschte er mit seinem allmächtigen Herrn in formvollendeter orientalischer Manier um die wenigen Gerechten in Sodom und Gomorra. Es scheint eher Ehrfurcht und Respekt zu sein als die Angst eines Unterdrückten. Und im Unterschied zu uns weiß Abraham nicht, dass er Isaak nicht töten wird. Er tut, was sein Gott ihm aufträgt, ohne am Sinn zu zweifeln.

Andererseits frage ich mich dann aber: Warum will Gott, dass Abraham seinen Sohn opfert? Das ist quasi die genau passende Gegenfrage. Sie ist der Grund für die ewigen, nichtendenwollenden Vorwürfe „Was ist das für ein Gott, der verlangt...?“
Es hat vielfältige Erklärungen gegeben, die aber alle nur aus menschlicher Sicht erdacht waren (Sicherlich motiviert durch das Nichtvorstellen-Können eines ‚bösen’ Gottes). Fakt ist, dass er es verlangt, - aber auch, dass er im letzten Moment Abraham aufhält. Hätte der Allmächtige nur gewollt, dass Isaak stirbt, so wäre Abraham dafür nicht einmal nötig gewesen. Es geht offensichtlich darum, Abrahams Liebe zu Gott sichtbar zu machen, die sogar die Liebe zu Isaak überwiegt. (Und man darf nicht vergessen, wie kompliziert allein die Geburt Isaaks war.)
Sicherlich haben auch die Wissenschaftler Recht, die sagen, dass mit dieser Geschichte das Ende der Menschenopfer eingeläutet wird, die tatsächlich zu dieser Zeit in dieser Gegend noch stattfanden. Aber wenn man die Geschichte auf diesen ‚soziologisch-historischen Kontext’ reduziert, verliert man zu viel.

Ich hoffe, dass ich jetzt erklären kann, wieso diese Geschichte für mich so faszinierend und gar nicht abschreckend ist.
Für mich ist sie nur die eine Hälfte einer größeren Geschichte.
Die andere Hälfte besteht aus dem Leben und Sterben Jesu. Denn genau betrachtet spiegelt sich hier alles auf faszinierende Weise.
Es gibt schon seit tausenden von Jahren immer wieder Menschen, die in ihrem Leben verzweifeln. Und diese Menschen wünschen, dass Gott alles Leid verhindern würde – so, als ob sie noch im Paradies leben würden.
Und dann entschließt sich Gott, nach all den Klagen, seinen eigenen geliebten Sohn den Menschen als Opfer darzubringen. Also genau umgekehrt. Er will keine Opfer mehr, er gibt uns sich selber als OPFER hin.
Und wie Isaak trägt Jesus (zumindest bei Johannes) das Holz, also das Kreuz, auf dem er geopfert werden wird.
Aber dann enden plötzlich die Parallelen und die Geschichte entwickelt sich nicht mehr wie im AT.
Es wäre für den Allmächtigen ein Leichtes gewesen, Jesus vor all dem zu bewahren. Aber er verhindert nichts. Und im Unterschied zur alttestamentlichen Geschichte tritt hier kein rettender Engel dazwischen. Und die Menschen halten nicht im letzten Moment ein. Es ist keine Prüfung mehr. Es ist bittere Realität. Das Unfassbare geschieht: Gottes Sohn wird gefoltert, gekreuzigt, d.h. getötet.
Gott trauert. Er zerreißt sein Gewand (also den Tempelvorhang in Jerusalem), wie es bei jüdischen Beerdingungen üblich ist.
Selbstverständlich kann Jesus auferstehen. Aber darüber darf man nicht vergessen, dass er erstmal gestorben ist.
Die Menschen verlangten nach einem Beweis für Gottes Liebe. Und so viele hatten ihn vor der Nase und haben ihn übersehen.

Das hält mich am Leben. Zu wissen, dass Gott für uns ALLES gibt. So wie Abraham opfert er seinen Sohn. Um uns seine Liebe zu zeigen.

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